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Kinderselbstverteidigungskurse in Leipzig boomen Drucken E-Mail
Montag, 20 Oktober 2008

Im Zweifelfall sollen Kinder auch mal kräftig zutreten können. Foto: SR
Im Zweifelfall sollen Kinder auch mal kräftig zutreten können. Foto: SR
Nach dem Mord an der 8jährigen Michelle vor knapp zwei Monaten haben viele Leipziger Eltern Angst. Schließlich ist der Täter bisher noch nicht gefasst. Die Eltern lassen ihre Kinder deshalb kaum noch aus den Augen. Einige Eltern gehen aber auch einen anderen Weg: Sie wollen ihre Kinder stark machen - damit sie nicht zu Opfern werden. Selbstverteidigungskurse für Kinder haben in Leipzig deshalb starken Zulauf. Ein Beitrag für das Nachrichtenradio MDR Info, gesendet am 20. Oktober 2008.







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Langsam wird es eng. Achtzehn Kinder sind heute zum Selbstverteidigungskurs ins Kampfsportstudio Chiasao in Leipzig-Plagwitz gekommen. Knapp doppelt so viel, wie noch vor ein paar Wochen - bevor der Mord an der 8jährigen Michelle für Schlagzeilen sorgte. Seither erkundigen sich immer mehr Eltern nach den Kinderkursen, erzählt die Leiterin des Studios, Kathrin Grobelnik.

"Einfach aufgrund dieses Mordfalls. Die haben sich wirklich definitiv darauf berufen. Und ich gebe noch einen Kurs für Jurgendliche an der Volkshochschule. Der ist dieses mal auch übervoll. Da haben mir auch einige gesagt: Nach diesem Fall möchten sie jetzt eben doch was für Ihre Selbstverteidigung tun."

Nach ein paar Aufwärmspielen geht das eigentliche Training los. Und plötzlich sind selbst die lebhaftesten Kinder konzentriert dabei: Im Kreis üben sie mit ihrer Trainerin die Grundfiguren der chinesischen Kampfkunst Wing Chung.

"Faust vor die Brust, Fauststoß. Die Hand öffnen. Nur die Hand drehen. Ellenbogenstoß zurück. Andere Faust vor die Brust. Fauststoß. Hand öffnen. Nur die Hand drehen. Und Ellenbogenstoß zurück. Und das ganze noch mal."

Anschließend spielen die Kinder in einer Art Rollenspiel Gefahrensituationen durch. Mit Worten und im Notfall auch mit Boxhieben sollen sie sich zum Beispiel gegen Angreifer wehren.

"Stop!" - (Boxhiebe)

Anja ist inzwischen schon seit über einem Jahr dabei. Und sie weiß genau, worauf es bei dieser Übung ankommt.

"Wenn böse Leute kommen, dass man da den richtigen Abstand weiß. Nicht, dass er da zu nah schon ist."

Ihre Mutter hofft deshalb, dass sich Anja im Notfall zu helfen weiß.

"Wir haben rausgeguckt über Internet, eben, wie die Kinder Selbstverteidigung lernen können. Wenn jemand sie anspricht, gerade wenn ein Auto anhält oder wenn irgendjemand ihnen was tut, dass sie sich wehren können."

Doch was kann ein neunjähriges Mädchen wie Anja im Ernstfall tatsächlich gegen einen Erwachsenen ausrichten? Schließlich ist der ihr körperlich haushoch überlegen. Das sieht auch Andreas Lehnert von der Kampfkunstschule Leipzig so. Ähnlich wie bei den Kollegen aus Plagwitz sind seine Kinderkurse deshalb eine Mischung aus Selbstverteidigung und Selbstbehauptung.

"Wenn ein Kind überhaupt nicht gewöhnt ist, einem Erwachsenen Widerstand entgegenzusetzen, wird es das im Ernstfall natürlich auch eher selten tun. Dagegen, wenn man das im Unterricht richtig trainiert, dann wird das Kind auch weniger Hemmungen haben, auch mal bei einem Erwachsenen nein zu sagen, und möglicherweise auch handfest oder per Biss sich zu entziehen."

Selbstverteidigungskurse sind deshalb nur ein erster Schritt. Vor allem müssen die Eltern ihren Kindern das nötige Selbstvertrauen mit auf den Weg geben.

 
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