| Halloween gegen Reformationstag |
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| Samstag, 01 November 2008 | |
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Gestern war es mal wieder soweit: Die evangelischen Christen haben den Reformationstag gefeiert. Doch dass Martin Luther an diesem Tag vor knapp 500 Jahren, seine berühmten 95 Thesen in Wittenberg an die Schlosskirche angeschlagen haben soll, wissen immer weniger Menschen. Seit einigen Jahren kommt noch etwas anderes hinzu, das so manchen Protestanten ärgert: Halloween. Das Fest der Geister und Kürbisse wurde in den vergangen Jahren durch eine massive Werbekampangne der Spielwarenindustrie nach Deutschland geholt und droht inzwischen, dem Reformationstag in der öffentlichen Wahrnehmung den Rang abzulaufen. Evangelische Initiativen wollen Halloween deshalb wieder zurück drängen. Ein Beitrag für das Nachrichtenradio MDR Info, gesendet am 31. Oktober 2008.
Vor knapp 10 Jahren kannten die meisten Menschen Halloween bestenfalls aus amerikanischen Fernsehserien. Inzwischen sind in den Herbstmonaten Kürbisse und Hexendekorationen aus den Schaufenstern kaum noch wegzudenken. Spielwarenindustrie und Kaufhäuser haben das amerikanisches Gruselfest nach Deutschland gebracht, erklärt Hubertus Mischok vom Leipziger Warenhaus Karstadt. "Also wenn man von den neuen Bundesländern ausgeht, haben wir etwa 1998 angefangen, Halloween langsam zu etablieren. Steigert sich von Jahr zu Jahr, das heißt, auch die Nachfrage auch bei der Kundschaft immer nach Halloween, und ist eigentlich jetzt ein ziemlich großes Event." Gleich auf mehreren Etagen gibt es deshalb Aktionsstände mit allerlei Halloween-Produkten. "Besonders nachgefragt sind natürlich diese Masken. Desto grauslicher, desto scheußlicher, desto besser gehen die Masken. Und was sehr gut geht, das sind die Kostüme zu Halloween." Doch nicht jeder freut sich über den neuen Trend. Eine christliche Initiative - unterstützt unter anderem vom Thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus - will den Halloween-Brauch jetzt zurück drängen. Wolfgang Baake vom Christlichen Medienverbund KEP möchte am Reformationstag Luther wieder in den Mittelpunkt rücken. "Und es macht mich auch in gewisser weise wütend. Wir haben Hexen auf dem Vormarsch, anstatt über den christlichen Glauben nachzudenken." Dabei ist Halloween für Baake auch kein harmloser Spaß, sondern ein Spiel mit bösen Mächten. "Es ist wichtig, dass die Eltern erkennen, welche Gefahr von einer Verharmlosung des Hexenkultes ausgeht. Das junge Menschen dann plötzlich auch versuchen mit Stühle-Rücken, und, und, und,… was alles damit zusammen hängt, solche Dinge auszuprobieren. Es wird ja quasi durch den Hexenkult in gewisser weise vorgelebt." Pfarrer Christian Wolff von der Leipziger Thomaskirche findet das übertrieben. Halloween mag er zwar persönlich auch nicht, aber gefährlich sei das ganze weder für Kinder noch für die Kirche. "Ich kann mich darüber nicht aufregen. Ich kann allerhöchstens die Leute nur bedauern, die keinen blassen Schimmer haben von der großartigen Tradition der Reformation und sich voll dröhnen mit diesem komischen Zeugs von Halloween." Das Gruselfest fülle dabei auch eine Leere, die durch die das Verschwinden des Christentums aus dem Alltag der Menschen entstanden ist. "Dass die Leute, die nicht mehr im Rhythmus des Kirchenjahres leben, und nicht mehr im Rhythmus der Feste leben, dass die natürlich ihre Ersatzfeste brauchen. Da habe ich natürlich ein gewisses Verständnis für. Kann aber nur sagen: Das Original ist immer besser als die Kopie!" Doch die Kopie verkauft sich vorerst jedenfalls prächtig: Rund 20 Millionen Euro verdient die Spielwarenbranche mit Kostümen, Masken und Schminke rund um Halloween. Tendenz: Steigend! |
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