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Die abenteuerliche Geschichte unseres Planeten Drucken E-Mail
Donnerstag, 01 Januar 2009

Ted Neild: Superkontinent. Kunstmann Verlag, 2008. 19,90 EUR
Ted Neild: Superkontinent. Kunstmann Verlag, 2008. 19,90 EUR
Atlantis, Lemuria oder Pangäa: Geschichten von versunkene Welten haben die Phantasie der Menschen seit jeher beflügelt. Das diese zumindest nicht immer komplett aus der Luft gegriffen sind, zeigt ein neues Buch des Britischen Geologen Ted Nield. In seinem Buch "Superkontinent" beschreibt er die abenteuerliche Geschichte unseres Planeten, in der über Jahrmillionen immer wieder ganze Kontinente von der Oberfläche verschwanden und neue Superkontinente entstanden. Das Buch beschreibt dabei aber nicht nur die geologischen Mechanismen, sondern erzählt gleichzeitig ein spannendes Stück Wissenschafts- und Kulturgeschichte. Ein Beitrag für das Kulturradio MDR Figaro, gesendet am 31. Dezember 2008.







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Eigentlich klingt Geologie nach einem staubtrockenen Thema. Doch in seinem Buch spart sich Ted Nield endlose Beschreibungen unterschiedlicher Sandarten und Gesteinsschichten. Stattdessen schickt er seine Leser gleich zu Beginn auf eine Zeitreise 200 Millionen Jahre in die Zukunft. In einem Raumschiff um die Erde kreisend, beschreibt er eine seltsam fremde Welt: Der Erdball wird nämlich von einem einzigen großen Superkontinent beherrscht, der knapp ein Drittel der Erdoberfläche bedeckt.

"Was Sie als Raumfahrer vielleicht am meisten fasziniert, ist das Farbenspiel an den Küsten des Superkontinents, insbesondere in den Tropen. Der Kontinent ist im Inneren völlig ausgedörrt; wo die Trockengebiete dem Ozean am nächsten kommen, trennt eine hoch aufragende Gebirgskette sie von der Südostküste. Die landeinwärts ziehenden Wettersysteme haben kaum eine Chance, diese Felsbastion zu überwinden." (Ted Neild: Superkontinent)

Im Laufe der Erdgeschichte gab es solche Superkontinente immer wieder. Der bisher letzte war Pangäa, die Heimat der Dinosaurier. Als Pangäa vor knapp 200 Millionen Jahren auseinander brach, bildeten sich nach und nach unsere heutigen Kontinente. Allerdings bewegen sich die bereits wieder auf einander zu. Pro Jahr zwar nur um wenige Zentimeter. Doch früher oder später entsteht so ein neuer Superkontinent. Ewig halten wird aber auch der nicht, erklärt Ted Neild.

"Ein Superkontinent hält einfach zu viel Hitze zurück. Irgendwann muss die Hitze raus, und dann bricht der Superkontinent auseinander und die einzelnen Teile gehen wieder auf die Reise. Das ist ein Kreislauf, der durch die ständig neu entstehende Hitze angetrieben wird. Es hört erst dann auf, wenn sich der Erdkern stark abkühlt. Aber das ist erst einmal nicht zu erwarten."

In seinem Buch schafft es Neild, die komplizierten Mechanismen, die beim Entstehen und Zerfallen von Superkontinenten wirken, anschaulich zu erklären:

"Stellen sie sich vor, Sie drehen die Backen des Schraubstocks einer Hobelbank weit auf, klemmen das Mittagessen des Tischlers (kalte Lasagne) dazwischen und quetschen es fest zusammen. Das Essen wird an den Seiten und nach oben herausgedrückt werden und eine Gebirgskette bilden, die wir die Lasagniden nennen wollen. Sie drehen den Schraubstock erst wieder auf, wenn die Lasagne hart geworden ist. [...] Wenn sie nun den Schraubstock öffnen, bleibt ein Teil dieser Lasagniden-Überbleibsel an der einen Backe hängen, ein anderer an der anderen Backe." (Ted Neild: Superkontinent)

Pangäa, die Heimat der Dinosaurier: Der bisher letzte Superkontinent. Abb: wikipedia
Pangäa, die Heimat der Dinosaurier. Der bisher letzte Superkontinent. Abb: wikipedia
So lässt sich beispielsweise erklären, warum sich sowohl in Europa als auch in Amerika die Überreste der gleichen Gebirgskette finden: Sie sind Zeugen eines früheren Superkontinents. Spannend wird das Buch durch die Geschichten hinter den Entdeckungen. So lesen sich die Lebensläufe mancher Forscher fast wie ein Abenteuerroman. Einige von ihnen waren tatsächlich auf der Suche nach dem historischen Vorbild für den sagenumwobenen, verschollenen Kontinent Atlantis. Dabei inspirierten die Ergebnisse und Theorien der Forscher selbst die Phantasie ihrer Zeitgenossen.

"Ich ging davon aus, dass unwissenschaftliche Ideen die Forschung der Wissenschaftler inspirieren. Aber tatsächlich befruchten sich diese Bereiche oft gegenseitig. So wurden wissenschaftliche Ideen häufig von Sekten aufgegriffen und für ihre Zwecke uminterpretiert."

So sollte die Idee eines untergegangenen Kontinents Lemuria im indischen Ozean eigentlich nur die Verbreitung von Lemurenaffen auf weit entfernten Inseln erklären. Doch die esoterische Theosophiebewegung im späten 19. Jahrhundert erklärte Lemuria in ihrer Geheimlehre kurzerhand zu Wiege der Menschheit – eine Welt in der Menschen Seite an Seite mit den Dinosauriern gelebt haben sollen. Inzwischen wissen die Forscher, dass es Lemuria nie gegeben hat. Aber ihre Forschungsergebnisse haben auch ganz praktische Auswirkungen.

"Die Forschung über die untergegangenen Kontinente klingt erstmal zwar ziemlich phantastisch und obskur. Aber genau diese Forschungsergebnisse helfen uns Erdbeben oder Tsunamis vorherzusagen – wenn der politische Wille da ist, dieses Wissen zu nutzen."

Auf knapp 300 Seiten schafft es Ted Neild, dieses Wissen auch für Laien verständlich und spannend zu vermitteln.

 

Das Buch „Superkontinent“ von Ted Neild ist im Kunstmann Verlag erschienen und kostet 19,90 EUR.

 
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