| Kurt Masur: Adventures in Listening |
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| Sonntag, 04 Januar 2009 | |
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In Leipzig ist Kurt Masur längst ein Denkmal. Seine Jahre als Gewandhauskapellmeister, vor allem aber sein Aufruf zur Gewaltfreiheit im Rahmen der Leipziger Montagsdemonstrationen haben ihm nicht nur die Ehrenbürgerwürde, sondern gleich noch einen Eintrag in den Geschichtsbüchern gesichert. Die Regisseurin Amit Breuer hat Masur nun auch ein filmisches Denkmal gesetzt. "Adventures in Listening", auf Deutsch etwa "Abenteuer des Hörens" zeigt, wie der ehemalige Gewandhauskapellmeister in Polen, Brasilien und in New York eine neue Generation von Dirigenten unterrichtet - und seine Vision von Musik weitergibt. Gesendet im Nachrichtenradio MDR Info am 10. Dezember 2008.
"Du dirigierst zu viel mit deinem Hintern!" Mit harten Worten und einer gehörigen Portion Humor weist Kurt Masur seine Meisterschüler zurecht. Eigentlich hätte sich der 81-jährige Dirigent längst zur Ruhe setzen können. Doch die Intensivkurse in aller Welt liegen ihm am Herzen. Schließlich seien wirklich gute Nachwuchsdirigenten in vielen Ländern Mangelware, erklärt Masur im Interview nach der Filmpremiere. "Deswegen habe ich versucht überall da wirklich zu helfen, dass die Dirigenten eben nicht nur denken, mit einem schön aussehenden Schlag könnten sie die Massen begeistern. Dazu gehört einfach mehr." Das muss im Film auch ein junger Meisterschüler aus Breslau lernen. Immer wieder lässt Masur ihn eine bestimmte Stelle einer Mendelssohn-Symphonie wiederholen. Nicht einmal zwei Takte weit kommt der Nachwuchsdirigent, dann unterbricht ihn Masur schon wieder. "Du warst jetzt kein Mensch mehr. Du warst jetzt wieder der Dirigent. Und das ist Scheiße! Los, komm! Machs noch mal…" Regisseurin Amit Breuer fasziniert vor allem die Energie und das Engagement des Stardirigenten. "Er kann einerseits sehr ernst sein, aber auch unglaublich lustig, sehr warm und menschlich – aber auch manchmal sehr streng. Das war schon faszinierend anzusehen wie er eine Beziehung zu diesen jungen Dirigenten aufbaut. Das ist schon fast magisch." Die Dreharbeiten waren dabei nicht immer leicht. Insgesamt zogen sie sich über vier Jahre hin, denn mehrfach drohte der unabhängigen Produktionsfirma das Geld auszugehen. Und auch Kurt Masur hat den Filmemachern das Leben manchmal schwer gemacht, wie er selbst bekennt: "Weil ich sage: Dort kannst du nicht stehen. Da störst Du die Musiker, oder Du störst mich. Du kannst da stehen, wo ich Dich vergessen kann. Und das ist das entscheidende. Sonst kommen die Bilder einfach unnatürlich oder gespielt oder man merkt, dass da was gekünstelt ist.“ Dem Premierenpublikum hat der neue Dokumentarfilm jedenfalls gefallen: "Man hat den Masur mal von einer ganz anderen Seite kennen gelernt." - "Also mir hat das gefallen, weil ich finde es einfach klasse, dass er noch in dem Alter noch so Sachen vermitteln kann." - "Das war wirklich die Besonderheit daran, dass man sieht, wie sensibel er mit den Menschen umgeht und auch mit der Musik umgeht." Wer die Premiere gestern Abend verpasst hat, muss sich allerdings noch etwas gedulden bis er "Adventures in Listening" sehen kann. Ins Kino kommt der Film vermutlich nicht - und über die Senderechte für's Fernsehen sollen die Verhandlungen erst in den nächsten Wochen beginnen. |
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