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Brockhaus - Sterben auf Raten? Drucken E-Mail
Montag, 02 Februar 2009

Brockhaus: Das altehrwürdige Symbol für Bildung. Foto: wikipedia
Brockhaus: Das altehrwürdige Symbol für Bildung. Foto: wikipedia
Die Nachricht schlug im Dezember ein wie eine Bombe: Der Brockhausverlag verkauft alle Marken- und Verlagsrechte an seiner legendären Enzyklopädie an Bertelsmann. Eigentlich sollten die Geschäfte gestern, am 1. Februar an Bertelsmann übergehen - doch am Wochenende hat das Kartellamt Bedenken angemeldet und eine intensive Prüfung der Übernahme angekündigt. Möglicherweise drohe eine marktbeherrschende Stellung auf dem Lexikonmarkt. Doch haben gedruckte Lexika überhaupt noch eine Zukunft – oder ist das alles nur ein Sterben auf Raten? Ein Beitrag für MDR Info, gesendet am 2. Februar 2009.







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Der Name Brockhaus sorgt auch bei Literaturstudentin Anja Hintze noch für Ehrfurcht:

"Es ist halt das große ehrwürdige, das Symbol für Bildung."

Doch in ihrem Alltag spielt der Brockhaus keine Rolle.

"Ähm… Das kann ich gar nicht sagen, wann ich das letzte mal überhaupt ein Lexikon aus Papier benutzt habe. Meistens schlage ich im Internet nach. Und dort findet man eigentlich genug. Ein allgemeines Lexikon – habe ich noch nie gebraucht. (lacht)"

Damit sich die aufwendige Produktion der Enzyklopädie rechnet, müssen laut Verlag mindestens 20.000 Exemplare verkauft werden. Doch die Verkaufszahlen der letzten Jahre lagen weit darunter. Die Übernahme der Marke Brockhaus durch Bertelsmann war deshalb aus Verlagssicht Schadensbegrenzung. Für Leipzigs Kulturdezernenten Georg Giradet ist sie trotzdem ein falsches Signal.

"Wirtschaftlich gesehen hat das natürlich eine gewisse Logik. Nicht, das kann man gar nicht leugnen, dass das so ist. Aber ich finde das schon sehr schade, dass immer wieder so stark die wirtschaftlichen Aspekte dominieren, und solche wesentlichen Traditionslinien dabei dann also wirklich gekappt werden."

Titelblatt der ersten Brockhaus-Auflage von 1809. Repro: SR
Titelblatt der ersten Brockhaus-Auflage von 1809. Repro: SR
Schließlich bedeutet der Verkauf auch das Aus für die Leipziger Brockhausredaktion. Die knapp 60 Leipziger Mitarbeiter hatten vor drei Jahren die bisher letzte Auflage der Enzyklopädie herausgegeben. Mit Lexika auf Papier sollte danach eigentlich Schluss sein: Denn vor knapp einem Jahr hatte der Verlag angekündigt, den Brockhaus künftig nur noch als Online-Ausgabe zu produzieren – alles andere lasse sich nicht mehr verkaufen. Doch das stimme so nicht, sagt Medienwissenschaftler Thomas Keiderling. Stattdessen habe der Verlag habe seinen eigenen Markt kaputt gemacht.

"Ich hab mir das mal angeschaut. In der bisherigen 200jährigen Geschichte vom Brockhaus war es immer so: Man hat ein großen Lexikon gemacht, alle Leute die in Frage kamen, haben es gekauft. Irgendwann wollte keiner mehr, dann hat man gewartet. Das waren im Schnitt knapp 10 Jahre, dann hat man das nächste Lexikon gemacht."

In den letzten 20 Jahren war das anders. Ganze drei Auflagen wurden in kurzem Abstand veröffentlicht. Der Markt sei nun einfach übersättigt. Langfristig habe der Brockhaus aber trotzdem eine Zukunft, glaubt Keiderling.

"Der Brockhaus läuft sehr gut im Direktgeschäft. Das sind Leute, Reisebuchhändler, Haustürverkäufer. Diese Arbeit ist relativ erfolgreich, und zeigt, dass da einiges drin ist."

Beim Bertelsmann-Verlag hält man sich bedeckt. Interviews gibt es wegen der Prüfung durch das Kartellamt nicht. Nur eine dürre Pressemitteilung vom Dezember:

"Sowohl gedruckte Lexika als auch Online-Enzyklopädien haben ihren festen Platz in der Zukunft. Das Internet kann den haptischen und repräsentativen Wert des Buches nicht ersetzen."

Wie lange das noch Unternehmens-Philosophie bleibt, ist offen. Denn die Konkurrenz wird härter. Für die kostenlose Internet-Enzyklopädie Wikipedia schreiben inzwischen nämlich selbst Hochschulprofessoren. Und die Artikel dort sind oft sogar länger und ausführlicher als im großen Konkurrenten Brockhaus.

 
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