| Kleinkrieg um den Scheibenwischer |
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| Donnerstag, 19 März 2009 | |
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Fast 30 Jahre lang lief die Kabarett-Sendung "Scheibenwischer" im Ersten. Damit ist jetzt Schluss: Dem Erfinder der Sendung, Dieter Hildebrandt, passt nämlich das veränderte Konzept der Sendung nicht. Seinem Nachfolger Mathias Richling hat er deshalb die Benutzung des Namens "Scheibenwischer" untersagt. Heute Abend um 22.45 Uhr startet deshalb die Nachfolgesendung "Satire Gipfel". Ein Beitrag über unfreiwillige Komik im deutschen Kabarett, gesendet am 19. März 2009 bei MDR Info.
Eigentlich war der "Scheibenwischer" ja nur eine Notlösung. Kabarett-Urgestein Dieter Hildebrandt hatte mit den "Notizen aus der Provinz" lange Jahre im ZDF eine Satire-Sendung. Doch auf Druck der CDU setzte der Sender die Reihe schließlich ab und Hildebrandt ging 1980 zur ARD. (Ausschnitt erste Sendung) "Zu dieser Sendung haben sie geschrieben: Ich hätte jetzt auch einen neuen Kanal. Aber sicherlich keine neue Meinung. Getroffen!!" Die Sendung sollte dabei unter anderem die Widersprüche und Absurditäten der Medienwelt aufs Korn nehmen. Vor allem aber sollte sie politisches Kabarett sein, erinnert sich Dieter Hildebrandt heute. "Es hat immer mit dem Nachdenken über das was eine Demokratie ausmacht zu tun. Mein Hauptthema war immer: Wie verteidige ich diese Demokratie, die ja noch sehr jung war." Genau 144 Mal ging Hildebrandt mit dem Scheibenwischer im Ersten auf Sendung. Nach einigem Hin- und Her übernahm zunächst Hildebrandts langjähriger Mitstreiter Bruno Jonas die Sendung und schließlich Mathias Richling. Richling will die Sendung jetzt modernisieren und auch ein jüngeres Publikum ansprechen. "Er sagte, er will jetzt diese Sendung öffnen, den Comedians öffnen. Und nannte ein paar Namen, die dann die ersten Sendungen bestreiten werden. Und da habe ich gedacht: Das hat nichts mehr mit dem Namen Scheibenwischer zu tun. Dann sollen sie sich einen Namen ausdenken für ihre Sendung." Vor knapp zwei Wochen erhielt der RBB deshalb Post von Hildebrandts Anwalt. Richling kann das alles kaum nachvollziehen."Ich wollte nicht den Scheibenwischer schänden. Sonst hätte ich gleich gehen können. Weil, ich hab das natürlich auch getan, weil ich ihn sehr geschätzt habe. Wir haben nie einen Streit gehabt miteinander." Doch diese Zeiten sind vorbei: In mehreren Interviews beschimpfte er Hildebrandt als "Humor-Fundamentalist" der sowieso kein Politisches Kabarett könne, sondern nur Parteipolitisches. Hildebrandt sei der SPD hörig. Natürlich hätten Comedians wie Cindy aus Marzahn oder Mario Barth mit ihren eigenen Programmen keinen solchen politischen Anspruch, räumt Richling ein. "Deswegen brauche ich sie nicht mit Hass überschütten. Deswegen gibt es da auch gute Leute, deren Potential man nutzen kann, in einer Kabarett-Sendung. Der 'Satire Gipfel' wird absolut politisch bleiben. Da wird nicht eine Comedy-Nummer drin sein." Ob die Rechnung tatsächlich aufgeht, wird sich heute Abend zeigen, wenn der 'Satire Gipfel' das erste Mal auf Sendung geht. Gäste sind unter anderem Ingolf Lück und Philip Weber. Dieter Hildebrandt will übrigens auch zuschauen. |
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