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Was bringen TV-Duelle wirklich? Drucken E-Mail
Montag, 14 September 2009

Laut Umfragen hat Schröder das TV-Duell 2005 gewonnen - die Wahl allerdings nicht. Quelle ARD
Laut Umfragen hat Schröder das TV-Duell 2005 gewonnen - die Wahl allerdings nicht. Quelle ARD
Gestern war es mal wieder so weit: Angela Merkel und ihr Herausforderer Frank-Walter Steinmeier trafen im TV-Duell aufeinander. Von den beteiligten Fernsehsendern wurde es inszeniert wie die entscheidende Schlacht im Kampf ums Kanzleramt. Doch welchen Einfluss haben TV-Duelle tatsächlich?! Für den Deutschlandfunk bin ich dieser Frage nachgegangen, gesendet am 12. September 2009.







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Die Inszenierung des TV-Duells 2005 war perfekt - und klang dramatischer die eigentliche Wahl.

"Live aus Berlin: Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Herausforderin Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (dramatische Pause) im großen TV-Duell."

Die beteiligten Sender stilisierten das TV-Duell zum Höhepunkt, wenn nicht gar zum entscheidenden, letzten Gefecht des Wahlkampfs. Dabei ist eher unwahrscheinlich, dass Fernsehdebatten tatsächlich direkt Wahlen entscheiden können. Schließlich fließen in die Stimmabgabe am Wahltag viele Faktoren ein, sagt Medienwissenschaftler Carsten Reinemann von der Universität München.

Angela Merkel kann auch witzig sein. Foto: TV-Duell 2005/ARD
Angela Merkel kann auch witzig sein. Foto: TV-Duell 2005/ARD
"Also der unmittelbare Effekt, das können schon ein paar Prozentpünktchen sein. Das was vielleicht noch entscheidender ist, ist die Frage: Werden jetzt für die letzten zwei Wochen entscheidende Themen noch mal gesetzt?"

Auch für den amerikanischen Medienwissenschaftler William Benoit von der Universität Missouri ist das der wohl wichtigste Effekt von TV-Duellen.

"Es geht dabei gar nicht mal darum, wie was die Wähler zum Beispiel zum Thema Bildung denken, oder wer hier die besseren Rezepte hat. Es geht darum, wie wichtig das Thema für die Wähler ist. Eine Reihe von Studien haben gezeigt, dass die Themen, über die in den Debatten gesprochen wird, für die Wähler danach wichtiger werden."

Diesen so genannten "Agenda Setting"-Effekt hat beim letzten TV-Duell vor allem Gerhard Schröder ausgenutzt. Er machte Merkels Schattenminister Paul Kirchhof und dessen Steuer- und Rentenpläne zu einem zentralen Wahlkampfthema, so Medienwissenschaftler Reinemann.

"Und da kann man auch in anderen Befunden von Wahlforschern sehen, dass das tatsächlich einen Mobilisierungsschub in der SPD noch mal gebracht hat."

Merkels Strategie war 2005 dagegen eine ganz andere. Sie benutze auffällig oft positive allgemeine Aussagen:

"Ich arbeite für ein Deutschland, in dem die Menschen sozial gerecht und menschlich leben können. Dafür müssen wir schauen, dass wir, was unseren Wohlstand anbelangt, wieder besser auf die Beine kommen."

Der Inhalt bei solchen Aussagen tendiert zwar gegen null - aber sie polarisieren nicht und kommen auch bei unentschiedenen Wählern gut an, erklärt Medienwissenschaftler Reinemann.

"Der Witz an der Angelegenheit ist, dass die Zuschauer ganz offensichtlich nicht so richtig unterscheiden, zwischen diesen eher allgemeinen Aussagen, und den konkreteren. Das heißt: Ich kann ganz gut mit solchen allgemeinen, abstrakten Dingen über die Runden kommen."

Eine andere wichtige Regel bei TV-Duellen sollten die Kandidaten morgen Abend allerdings auf jeden Fall beherzigen: Bloß keine Fehler machen. Sonst ergeht es ihnen möglicherweise wie US-Präsident Gerald Ford. Der behauptete in einer Präsidentschaftsdebatte 1976, dass Osteuropa nicht unter der Vorherrschaft der Sowjetunion stehe. Die amerikanischen Fernsehsender spielten den Ausschnitt rauf und runter - und die Zustimmungswerte für Ford gingen rapide bergab. Um ein solches Debakel zu vermeiden haben sich Merkel und Steinmeier allerdings mit ihren Beratern intensiv auf das Duell vorbereitet - und vermutlich schon viele Antworten einstudiert.

 
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